Die Bretagne, die WM und Pat Metheny

Selten habe ich mich bei der Planung einer Reise mehr verhauen als in diesem Jahr. Schon im letzten Jahr haben wir festgelegt, dass wird die erste Juliwoche in der Bretagne verbringen werden. Dass wir dabei die Fußball-WM vergessen haben, nun ja, auch in Frankreich wird es Fernsehen geben, aber gestern flatterte das aktuelle Programm der Jazz Baltica in Salzau ins Haus, und wer spielt da am 30. Juni und am 1. Juli? Yes, Pat Metheny! Und ich bin nicht da. Shit.
Am 30. Juni spielt er mit seinem Trio, wobei nicht Christian McBride, sondern Scott Colley am Bass dabei sein wird. Scott Colley ist in den letzten Jahren vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Jim Hall bekannt geworden. Gerade läuft hier ein Bootleg vom Hall-Colley-Duo, aufgenommen 1997 in Groningen. Sehr schön.


(Ach ja, Jim Hall und Pat Metheny: Wenn Sie hören wollen, wo Pat Metheny sein Soundideal her hat, müssen Sie sich Jim Halls “Concierto” anhören. Eine der besten Jazz-Gitarren-Platten überhaupt. Da ist nicht nur alles drin, was Jim Hall so faszinierend und einflussreich gemacht hat, da ist auch der prototypische Pat-Metheny-Sound drauf, und zwar in einer Eindeutigkeit, wie ich sie von keiner anderen Jim-Hall-Aufnahme her kenne.)

“Artist in Residence” bei der Jazz Baltica ist übrigens Brad Mehldau, zu dessen Qualitäten man nicht mehr viel sagen muss. Was ich noch verpassen werde: Lizz Wright, das Bill Frisell Quintet und ein Special mit Nils Landgren, Christopher Dell und dem grandiosen Bassisten Lars Danielsson (der für mich der legitime Erbe von Niels-Henning Örsted-Pedersen ist).

Nun gibt es für all dies Ungemach einen kleinen Trost, und das sind die wundervollen Podcasts von Pat Metheny. Vor wenigen Tagen ist der zweite erschienen, und Pat erzählt diesmal, warum das jüngst bei Nonesuch wiederveröffentlichte Album “Still Life (Talking)” für die Pat Metheny Group so bedeutsam war, wie es zu dem enormen kommerziellen Erfolg gekommen ist und wie er nach einer zweitägigen Audition in Brasilien einen Percussionisten gefunden hat, der allen anderen um “Lichtjahre voraus war”. Den Podcast gibt es am einfachsten über iTunes, da die PMG-Homepage leider etwas ungepflegt und chaotisch geworden ist.

4 Responses to Die Bretagne, die WM und Pat Metheny

  1. Reinhard Vogt 30. Mai 2006 at 15:40 #

    Hallo,
    als Bretagne- und Jazzliebhaber bin ich auf Ihren Blog gestoßen. Leider war ich noch nie in Salzau. Ich habe Pat Metheny vor einem Jahr auf dem Freiburger Zelt-Musik festival gesehen; gleiche (Trio)Besetzung wie jetzt in Salzau. Es war ein umwerfendes Konzert; tolles Publikum. 3 Stunden – nonstop – Pat wollte gar nicht mehr aufhören. Meine große Liebe ist Oregon. Zuletzt gehört in Leipzig im November 2005. Leider ein sehr müdes Publikum; es waren zuvor bereits zwei Konzerte und für die Leipziger schien Orgeon doch was völlig unbekanntes zu sein.

    Herzliche Grüße und schönen urlaub in der Bretagne- Ich werde im August dort sein.

    Reinhard Vogt

  2. meise 30. Mai 2006 at 15:52 #

    Danke für die Grüße. Ich habe Pat Metheny schon mehrfach gesehen, aber noch nie im Trio. Zuletzt mit der PMG hier in Hamburg, und auch da hat er drei Stunden gespielt, ein ganz großartiges Konzert.

    Oregon und insb. Ralph Towner gehören schon sehr lange zu meinen Favoriten, live habe ich allerdings noch keinen gesehen.

    Auch die Bretagne kenne ich übrigens noch nicht. Alle bisherigen Anläufe, dorthin zu kommen, sind irgendwie gescheitert. Zuletzt bin ich nur bis zur Loire gekommen. Diesmal soll es aber endlich klappen!

  3. Reinhard Vogt 31. Mai 2006 at 15:21 #

    das freut mich aber, dass Ihnen Oregon und Ralph Towner so zusagen. Pat Metheny habe ich erstmalig ca. 1971 in freiburg gesehen, als er als 18-Jähriger mit der Gary Burton Group auftrat. Groß verändert (außer graue Haare) hat er sich seither nicht. Das blauweiß gestreifte “Atlantik-Shirt” hat er vermutlich auch im Bett an. Oregon ist häufig in Europa und Deutschland unterwegs: Unter:
    http://www.saudades.at finden Sie die Tourdaten für 2006. Ralph Towner ist auch solo unterwegs.
    Ich hatte in Leipzig auch Gelegenheit mit Paul Mc Candless und Glen Moore zu sprechen und konnte Autogramme ergattern. Ganz lockere nette “Jungs”.

    viele grüße reinhard vogt

  4. meise 31. Mai 2006 at 16:48 #

    Da könnte man sich im Juli ja noch ein nettes Gitarristencocktail zusammenmixen, wenn man wollte … Abercrombie, Frisell, Frith — und darfs noch eine Prise Blood Ulmer sein …

    Ja, das legendäre Shirt von Pat …
    http://www.patcartoon.com/

Hinterlasse eine Antwort


*