Ich kenne keine andere Stadt in Deutschland, in der man als Radfahrer so gefährlich lebt wie in Hamburg. Eine durchschnittliche Strecke von drei Kilometern entspricht gefühlt in etwa ein bis zwei Beinahe-Unfällen, die sich nur durch unverzügliche Vollbremsung (des Rades natürlich) vermeiden lassen. Weder Autofahrer noch Fußgänger sind sich der Tatsache bewusst, dass auf einem Radweg (oder was man hier so Radweg nennt) auf mal Räder fahren. Mit der Zeit entwickelt man ja so ein Sensorium dafür, aber immer klappt das auch nicht. Aber man entwickelt auch eine Aggressivität, weil es immer die gleichen Dösbaddel sind, die plötzlich auf den Radweg wanken, und weil es immer dieselben scheiß BMW-Fahrer sind, die meinen, sie könnten ja doch mal schnell rechts abbiegen. (BMW ist übrigens bayerisch für “Ich zuerst”). Wenn im Jahr 2007 im Hamburg 2700 Radfahrer verunglückten, dann fällt die Schuld mehrheitlich auf Autofahrer. (Man sollte das mal nach Marken aufschlüsseln, dann käme man bestimmt auf ganz bittere Resultate.)
Und was macht die Polizei?
Die Polizei (angeblich ja so unterbesetzt) kontrolliert, ob Radfahrer bei Rot über die Ampel fahren!
Wenn ich von Eimsbüttel nach Winterhude fahre, dann fahre ich mindestens zehn Mal bei Rot über die Ampel. Weil, Sie müssen sich das so vorstellen in Hamburg: Alle Fußgängerampeln stehen überall gefühlte 2 Minuten auf Rot, bevor sie umspringen. Das ist eine kleine Ewigkeit, und das wird bewusst so gemacht, um den Autoverkehr fließen zu lassen. Ich kenne viele Fußgängerampeln, die in den letzten Jahren von “ganz schnell Grün” auf “niemals Grün” umgestellt wurden. Ja da kann man doch nicht drauf warten! Wenn nicht gerade Kinder da stehen, dann radel ich da natürlich drüber. Diese Form des Drangsalierens muss ich mir nicht auch noch gefallen lassen. Und dann steht da die Rennleitung? Ich könnte kotzen, echt.
Wissen Sie, was ich mir demnächst zulegen werde? Das hier!






Ich selbst lebe in Berlin und die Situation ist (vor allem in den Außenbezirken) für Radfahrer ähnlich katastrophal. Fahrradfahrer sind für den Staat anscheinend keine ernstzunehmende Lobby, die desolaten “Radwege” untermauern diesen Eindruck. Kleiner Hoffnungsschimmer: in einigen deutschen Städten werden mittlerweile Beschwerdebögen von der Stadt verteilt, was besser gemacht werden muss (insbesondere auch im Hinblick auf den Konflikt Auto – Radfahrer). Die Ampelphasen werden aber wohl nicht geändert :-)
Ob sich generell was tut, bleibt abzuwarten. Kann den Ärger aber voll verstehen…