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Studie: Warum manche Nachbarschaften kreativ sind, andere nicht

Eine neue Studie aus Kanada setzt sich mit der Frage auseinander, in welchen Stadt-Gegenden Wissenschaftler und Kreative leben und arbeiten. Der Hintergrund ist die Suche nach den Ursachen, warum manche Orte kreativer oder innovativer sind als andere und warum sich Spezialisierungen ausdifferenzieren. Die kanadische Studie, die sich auf die Großräume Toronto, Vancouver und Montreal bezieht, findet übereinstimmende Muster, die sicher so nicht auf Europa übertragbar sind, aber deutliche Hinweise auf unterschiedliche Bedürfnismuster geben.

Toronto | Foto: pixabay.com

Toronto | Foto: pixabay.com

 

Zusammenfassung der Studie:

SPENCER G. M. Nachbarschaften des Wissens: urbane Form und evolutionäre Wirtschaftsgeografie, Regional Studies. In diesem Beitrag werden die Verbindungen zwischen der urbanen Form von Nachbarschaften in Beziehung auf die evolutionäre Wirtschaftsgeografie von wissensintensiven Branchen untersucht. Aus den gezeigten Daten geht hervor, dass sich Firmen in ’kreativen’ Branchen tendenziell eher in dicht besiedelten Nachbarschaften mit gemischter Nutzung in der Nähe des Stadtkerns ansiedeln, während sich ’wissenschaftsbasierte’ Branchen eher in dünn besiedelten Nachbarschaften mit einzelner Nutzung in den Vorstädten konzentrieren. Es wird argumentiert, dass diese räumlichen Muster mit der Tatsache zusammenhängen, dass Netzwerke zwischen Firmen in den ’kreativen’ Branchen wichtiger sind, während ’wissenschaftsbasierte’ Branchen stärker auf Wechselwirkungen und Lernprozesse innerhalb der Firma angewiesen sind.

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Zusätzliche Erkenntnisse

Citylab-Gründer Richard Florida arbeitet noch zwei weitere Aspekte aus den Ergebnissen heraus, die sehr spannend sind. So sieht er erstens klare Hinweise auf die Entstehung kreativer oder technisch-innovativer Stadtviertel. In beiden sind es „Ankerfirmen“, um die herum sich Strukturen entwickeln:

Both kinds of neighborhoods have “anchors.” The anchors for high-tech districts are other large high-tech firms and research universities, especially engineering programs. The anchors for creative neighborhoods can include universities, but also specialized arts, music or design colleges, galleries, performance venues and theaters.

Zweitens lässt sich laut Florida erkennen, dass die Nachbarschaften der Kreativen deutlich komplexere Muster aufweisen, weil hier soziale Interaktionen wesentlich wichtiger und ausgeprägter sind als bei den wissenschaftlich basierten Berufen.

The urbanity and organic texture of creative neighborhoods make them much harder to design and engineer from scratch.

Was bleibt?

Spannend finde ich, wie hier herausgearbeitet wurde, wie sich unterschiedliche Ausprägungen der „Creative Class“ im Stadtraum lokalisieren lassen. Die Kreativen bevorzugen Gegenden in Zentrumsnähe, mit dichter Infrastruktur an Geschäften und Cafes, ÖPNV und kurzen Wegen zwischen Arbeit und Zuhause. Die eher technisch orientierten Hightech-Kreativen arbeiten in der Vororten und legen weite Strecken zwischen Wohn- und Arbeitsort zurück. Ob das wirklich nur daran liegt, dass letztere eher am Austausch innerhalb der Unternehmen orientiert sind, während die Kreativen sich über Firmengrenzen hinweg austauschen? Einer der Gründe könnte auch sein, dass Tech-Companies nun einmal größer sind als die meisten Kreativfirmen, deshalb mehr Platz im Vorort brauchen und stärker auf ihre eigenen, spezifischen Produkte bezogen sind.

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